Unseren Hochzeitstag verbrachten wir unterwegs in Russland, im Zentrum der Lackminiaturen- und Ikonenmalerei. Erste Station war Cholui, ein kleines Dorf ca. 330 km von Moskau entfernt. Dort hält sich noch eine Fabrik, in der Schatullen bemalt werden. Wir besichtigten die verschiedenen Produktionsabteilungen und erfuhren, wieviel Aufwand die Herstellung einer Schatulle kostet. Da wird die Pappe aufgewickelt, verklebt, in Öl getaucht, getrocknet, aus den Streifen werden die Dosen gearbeitet, die Scharniere werden angebracht. Das ganze wird grundiert mit einer Masse aus Ruß, Öl und Ton. Außen sind die Schatullen schwarz und innen rot, die Grundierung wird mehrfach aufgetragen. Die Künstler schließlich bemalenden Deckel. Und es wird fein unterschieden zwischen einem Autor-er ist kreativ und denkt sich selbst Sujets aus, und denen, die „nur“ kopieren. Zum Schluss werden acht Lackschichten aufgetragen, kleinste Unebenheiten beseitigt und alles wird poliert. Verpackt werden die Kunstwerke in handgefertigten Schachteln. Wir haben verstanden, dass es mehrere Tage dauert bis zum fertigen Produkt, das dann auch nicht so ganz billig ist. Und das unter nicht ganz so idealen Arbeitsbedingungen … Wir probierten uns danach im Kopieren aus, Steffen bemalte einen Magneten und ich eine Brosche mit dem Feuervogel.  

Am späten Nachmittag fuhren wir weiter nach Palech. Unterwegs machten wir einen Abstecher nach Preobraschenskoje, dort stand noch eine alte Kirche, zu der ein Weg mit Sowjetstern führte (die Wasserleitung ist dort überall noch nicht angekommen). Etwas weiter auf der unbefestigten Straße war das Dorf Chotiml gelegen, einstmals ein reicher Ort mit einem großen Kloster, später mit einem erfolgreichen Kolchos, inzwischen weitab vom Schuss und vergessen. Überall sahen wir große Kirchen mit Glockentürmen, die ein Zeltdach hatten.   

Palech selbst erkundeten wir per Rad, sahen uns die zahlreichen Holzhäuser an, von denen manche gut in Schuss waren und deren Bewohner an ihrer Erhaltung und Verschönerung arbeiteten. Eine Künstlerin erklärte uns noch die Unterschiede zwischen den Arbeiten in Fedoskino, Palech, Mstjora und Cholui. So haben wir wieder was gelernt und zur Brosche gesellten sich noch 2 Ohrringe mit dem Feuervogel. Auch 2 Pinsel habe ich erstanden, mit Wieselhaaren, mit solchen hatten wir gemalt und das ging prima.

Nächstes Ziel war Schuja. Hier wollte ich vor allem ins Heimatmuseum, denn dort gab es eine Sammlung von diversem Geschirr mit Geheimnissen. War interessant, aber leider sehr schlecht präsentiert. Sehenswert ist mit 106 Metern der höchste freistehende Glockenturm der Welt.

Kurzentschlossen änderten wir dann unsere Reiseroute und machten uns auf nach Susdal. Gute Entscheidung, denn hier quartierten wir uns für zwei Nächte in einem Holzhaus ein. Mit dem Fahrrad fuhren wir in uns noch unbekannte Gegenden der Stadt und brachten etwas die Ruhe rein, versorgten uns mit Gürkchen und Fleisch und schmissen am letzten Abend noch den Grill an. Ein Muss war unsere Lieblingskirche am Nerl. Und wir besichtigten unterwegs in Saosjore noch eine Kirche, die in Sowjetzeiten nicht geschlossen war.

In den Hotels sind wir freundlich aufgenommen worden, haben essen können, ohne uns den Magen zu verrenken. Mehrere Varianten von Okroschka haben wir getestet, alle haben sie gut geschmeckt, ein bisschen mit Meerrettich, auf Salzlakenbasis – das kannten wir noch nicht. Insgesamt sind es nicht so sehr viele Kilometer gewesen, die wir gefahren sind, aber aufgrund der zum Teil abenteuerlichen Straßenverhältnisse waren wir doch lange auf der Straße unterwegs.

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2x war ich mit Fußballfans unterwegs, am Montag 5 Stunden vom monumentalen zum charmanten Moskau in Richtung Samoskworetschie und am Dienstag 3 Stunden in Richtung Iwanowhügel/Saubere Teiche. Überall in der Stadt war es voll, aber sehr angenehm. Am Freitag nun die dritte Tour in dieser Woche, diesmal waren wir ohne Ball im Zentrum der Altgläubigen. Wetter, Truppe, Siedlung – alles passte und wir hatten einen sehr schönen Vormittag. Zum Schluss fielen wir noch in die Altgläubigen-Kneipe ein, war sehr lecker. Am Mittwoch waren wir abends noch im Theater. Dies ist in einem ehemaligen konstruktivistischen Kulturpalast roman1.jpg gelegen, ist saniert und sehr schick. Wir sahen ein tolles Stück über den Tänzer Rudolf Nurejew. Und im Hof hat ein Auto ein Motorrad umgeschubst, keine Ahnung vom Einparken. unfall

Am Sonntag haben wir mit Freunden im Paulaner das Deutschlandspiel angeguckt, es war nicht wirklich voll, die anderen haben wohl vorher gewusst, wie es ausgeht. Aber unserer Stimmung hat das keinen Abbruch getan. Vorher waren wir im Gorkipark, haben Tischtennis gespielt und gelesen. Und unser Haus hat 2 Tafeln bekommen, die an Opfer des Stalinterrors erinnern. Die haben mal in unserem Haus gelebt und eine Ururenkelin hatte Unterschriften dafür gesammelt, dass die Tafeln angebracht werden können.

Unsere Tomate entwickelt sich gut, trotz Lärm, Luftverschmutzung usw. Heute habe ich die erste geerntet. Außerdem haben wir auf dem Markt Kalbsfilet gekauft, für ca. 5 Euro das Kilo, mussten wir mal ausprobieren, hatten wir noch nie, und es hat durchaus geschmeckt. Bei dem Preis werden wir das jetzt öfter testen.  Und der Rumtopf ist auch angesetzt mit Erdbeeren und Himbeeren.

Gestern Abend erkundete ich mit 14 Teilnehmern die Gassen zwischen der Twerskaja und der Bolschaja Dmitrovskaja. Das Zentrum war voller Fußballfans, tolle Stimmung! Und selbst direkt im Moskauer Zentrum entdeckte so mancher noch Verstecktes. War eine schöne Tour mit Partnern und Besuchern.    An unserem Weg lagen viele Restaurants und Bars, an Straßen und in Höfen, wir waren dann noch in einem marokkanischen Restaurant.